Songs (Made in Austria)

thematisch angesiedelt im Bereich „Überlebenskrise der Menschheit“ samt „Klimakrise“ und „Massenaussterben“ (in loser Folge) – zunächst als Einstieg einige allgemeinere und ältere Songs zum Thema:


Hubert von Goisern: „Brenna tuats guat“, 2011

Hubert von Goisern: „Brenna tuats guat“, 2011, 13 Mio. Aufrufe

‚Jeder woass, dass a
Geld nit auf da wiesen wachst
Und essen kann ma’s a nit
Aber brenna tat′s guat
Aber hoazen toan ma woazen
Und de ruabn und den kukuruz
Wann ma lang so weiter hoazen
Brennt da huat!‘

Obwohl es nicht ein dezidierter Klimasong ist, beschreibt „Brenna tuats guat“ doch sehr gut die Einstellungen, die zu den brennenden Klimaproblemen geführt haben.
Auf die Frage, was seiner Ansicht nach dieses Lied zum Hit mache, stellt Hubert von Goisern fest: “Na ja, es groovt wie die Sau. Es hat echt an guten Drive und es trifft eben so den Nerv von der Aussage her – vom textlichen Inhalt. […] Und es hat aber nicht diesen […] depressiven Grundton, sondern es gibt […] trotz der Problematik auch Kraft und Mut. Und drum funktioniert das”.


Schmetterlinge: „Die Apokalyptischen Reiter“, 1984

Schmetterlinge: „Die apokalyptischen Reiter“, 1984

Wenige Tage nach dem Tod von Willy Resetarits (am 24.4.2022), dem ehemaligen Drummer und Sänger der Gruppe Schmetterlinge, schreibe ich diesen Beitrag.
Die Polit-Rock-Gruppe Schmetterlinge hat in den 70er und 80er Jahren die (umwelt-)politische Szene im deutschsprachigen Raum musikalisch geprägt. Nach dem Konzeptalbum „Proletenpassion“ haben sie mit ihrem Album „Die letzte Welt“ 1984 gemeinsam mit dem Dichter Heinz R. Unger 1984 ein weiteres epochales Musikalbum über die Ausbeutung und Zerstörung der Welt geschaffen. In dem Song „Die apokalyptischen Reiter“ reitet der Umwelttod gemeinsam mit dem Hungertod, Kriegstod und Atomtod…

‚Es reiten vier Reiter unter dem Mond.
Es wachsen die Schatten am Horizont.
Es führen vier Wege ans Ende der Zeit,
die sind mit unserer Asche bestreut.

… Der Zweite reitet in goldenem Rock,
ein fetter Räuber auf fettem Bock
und auf seinem Sturmbanner steht
Die Welt wird geplündert, solange es geht.
Der Urwald gerodet, die Lunge der Welt,
der Boden vom Toben der Gifte entstellt.
Es gibt einen Sachzwang und der heißt Profit,
der hält mit dem rasenden Reiter stets Schritt.
Die Meere sind tot, Öl säumt noch den Strand,
die Erde trägt nichts mehr, ein braches Land
Dann ist die Welt bis zum Knochen zernagt,
ein toter Stein, der zum Himmel aufragt.‘


Udo Jürgens: „5 Minuten vor 12“, 1982, 80.500 Aufrufe

Das Lied von Udo Jürgens mit Text von Michael Kunze ist ein Beispiel, wie auch im gehobenen Schlagerbereich das Umwelt- und Zukunftsthema besungen wird. Bei „5 Minuten vor 12“ liegt die Hoffnung auf der „… Angst, die so viele zur Einsicht bringt. Jemand sagte zu mir, dass die Zukunft grad‘ jetzt beginnt. Und ich sah auf die Uhr: 5 Minuten vor 12…“

Udo Jürgens: „5 Minuten vor 12“, Live im Jahr 2013

‚Und ich sah einen Wald,
wo man jetzt einen Flugplatz baut.
Ich sah‘ Regen wie Gift,
wo er hinfiel, da starb das Laub.
Und ich sah einen Zaun,
wo es früher nur Freiheit gab.
Ich sah‘ grauen Beton,
wo vor kurzem die Wiese lag.
Und ich sah einen Strand,
der ganz schwarz war von Öl und Teer.
Und ich sah eine Stadt,
in der zählte der Mensch nicht mehr.
Doch ich sah‘ auch ein Tal,
das voll blühender Bäume war,
einen einsamen See,
wie ein Spiegel so hell und klar.
Und ich sah auf die Uhr:
5 Minuten vor 12.‘

>> s.a. Rubrik Songs (Made in Germany)Neonschwarz: „5 nach 12“


Erwin Steinhauer: „Urasser Bossanova“, 1979

In den 70er Jahren spielte in Wien das Kabarett Keif u.a. mit dem Dichter Wolfgang A. Teuschl und dem Kabarettisten und Schauspieler Erwin Steinhauer. In dem Programm „Es ist Zeit“ werden verschiedenste Zeitthemen musikalisch-kritisch betrachtet. Im Urasser Bossanova wird die Wegwerf-Gesellschaft besungen. Ein Schlüsselsatz ist dabei: „Der wichtigste Satz – ist der Absatz und Umsatz!“ Ja, und dann ist die Welt auch nur mehr – zum Wegwerfen!

Erwin Steinhauer: „Urasser Bossanova“, 1979

‚Wir denkn vü, Oida,
vü an de Zukunft.
An die Zukunft denk ma,
so wia da Ox an d’Kua-Brunft.
Hauptsach in da Kassa
is heut a Massa.
Urassa, Urassa, Urassa…

A wos, Oida,
die Wöd, die schmeisst weg.
Gö jo, Oida,
den Dreck schmeiss ma weg.
Ohne Wöd is auf dera Wöd
eh vü klassa.
Urassa, rassa, rassa…‘


So, und jetzt geht’s richtig los mit aktuellen Klimasongs aus Österreich!

Christoph und Lollo: „Über das Klima reden“, 2019, 25.000 Aufrufe

Christoph und Lollo: „Über das Klima reden“, 2019

Das Wiener Musikduo Christoph und Lollo ist seit Jahren ein Garant für gelungene musikalische Satire. Unvergessen ist ihr Polit-Song von 2009 „Wann geht der Karl-Heinz endlich in Häfn?“. Mehr als 10 Jahre hat es dann gebraucht von diesem Lied bis zur ersten (noch nicht rechtskräftigen) Verurteilung des Politikers.
Doch wenn die Kinder über das Klima reden wollen, dann ist die Antwort der Erwachsenen:

‚Die haben eh schon jeder ein Handy,
doch das reicht ihnen scheinbar nicht mehr.
Nein jetzt wollen sie auch noch eine Zukunft?
Seid’s doch bescheidener, bitte sehr!‘


Sigrid Horn: „Baun“, 2018, 12.000 Aufrufe

Jedes Jahr gibt es in Wien den Protestsong-Contest im Rabenhof-Theater. 2019 gewann die niederösterreichische Liedermacherin Sigrid Horn mit dem Lied „Baun“, mit dem sie gegen die zunehmende Zersiedelung und Zerstörung in Österreich und in der Welt protestiert. Zwei Jahre später erfolgte in Koproduktion mit dem WWF eine Neuvertonung des Songs im Rahmen der Kampagne „Natur statt Beton“.

Sigrid Horn: „Baun“, 2018

‚… Und sie baun an Lift
zwischn zwa Berg
und a Schneekanon,
damit man Schneemangel net merkt.
Und sie baun Kerndln an,
dafür brennan’s alls nieda,
damit die Viecha was fressn,
und wir fressn die Viecha.
Und der Meeresspiegel, der steigt,
weil bald vom Urwald nimma vü bleibt.
Sobald uns des Wassa zum Hois steht,
merk ma endlich dann, dass so net weida geht…
Und sie baun, ja sie baun…‘


Simon Pories + Uli Nell: „Fürstenfeld –  Für wos seids ihr gwöd?“, 2021

Im Rahmen von FridaysForFuture entstehen eine Fülle von Texten und Liedern, die bei den Protestaktionen gemeinsam gesungen werden. Häufig haben sie dabei auch bekannte Lieder und Melodien als Hintergrund. Viele davon stammen aus der Feder des Wiener Klimaaktivisten und Liedermachers Simon Pories. Auf Grundlage des Hits „Fürstenfeld“, der steirischen Pop-Gruppe STS aus den 1980ern, beschreibt er die Situation der Klimademos:

FridaysForFutureAustria: „Fürstenfeld – Für wos seids ihr gwöd?“, 2021

‚Mehr als ein Jahr steh’n wir scho do,
freitags plog’n wir uns oh
Wir schrei’n uns die Kehle wund,
egal ob Regen oder Sunn.

Doch es ist zum narrisch werd’n,
kana wü die Forderungen her’n
Longsom kriag i wirklich g’nua,
frog mi, warum ihr nix tuats.

Es geht den gonzen Tog der Wind
mochts Energie draus, des geht jo recht gschwind
Öl, Gas und Kohle san ein Graus
nutzt doch die Sonne vielmehr aus.

REF: Ihr lassts uns allan,
habts ihr wirklich kan Plan?
Für wos seids ihr gwöhd?
Schauts aufd Menschen und Umwöd
!‘

>> s.a. Rubrik „Statements und Aktionen“: Lieder-Neutextierungen bei Extinction Rebellion


Simon Pories: „Unser Steuergeld – Über den Wolken“, 2021

In der Coronakrise 2020, als die Flugzeuge am Boden standen und viele der weltweiten Waren- und Produktionsströme unterbrochen waren, wurde eine Chance gesehen, wirtschaftliche Kreisläufe verstärkt nach ökologischen Erfordernissen auszurichten. Massive staatliche Förderungen wurden verteilt – doch ohne ausreichender ökologischer Gewichtung. Schnell lief wieder alles im selben Wachstumstrott – und die AUA / Austrian Airlines bekam ihre Steuer-Millionen, um wieder abzuheben. Wie sang doch Reinhard Mey: „Über den Wolken – da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“

FridaysForFuture Vienna: „Unser Steuergeld – Über den Wolken“ 2021

‚In der Krise macht der Staat
viele Investitionen
Und ich denk‘ mir: ist doch smart
so könnten wir das Klima schonen
Dann bau’n wir die Wirtschaft um
gut für Menschen, Tiere, Pflanzen
doch ich war naiv und dumm
sie tun’s der AUA zuschanzen

Über den Wolken
steck’ma s‘ Steuergeld grenzenlos rein
Zukunftsängste und auch Sorgen sagt man
Darum kümmern wir uns morgen und dann
auch wenn die Klimakrise dringlich erscheint
Wirtschaftswachstum muss sein!‘


Peter Czermak: „Let the Sunshine in! Lasst die Sonnenkraft herein!“, 2016

Die Energiewende, der Ausstieg aus den Fossilen und die Hinwendung zu den Erneuerbaren Energien, ist ein wesentlicher Teil der Klimaschutz-Bemühungen. Peter Czermak (der Autor dieser Österreich-Seite) hat dafür ein eigenes Musik-Programm „Let the Sunshine in! Lieder und Texte zur Energiewende“ zusammengestellt. So wurde z.B. der Hippie-Song der 1960er Jahre umgetextet für die 2020er. Wird im Originalsong das Kommen des Wassermann-Zeitalters besungen, so geht es im neuen Text um das kommende Solar-Zeitalter.

Peter Czermak: „Let the Sunshine in! Lasst die Sonnenkraft herein!“, 2016

‚Krisen – von allen Seiten tönt’s von Krisen,
doch wird dadurch nur bewiesen:
Wir müssen neue Wege beschreiten.
Alte Energien sind zu Ende nun,
es ist Zeit für Neues tun:
Mit Sonnenkraft tun!

REF:
Let the Sunshine in…
Lasst die Sonnenkraft herein!

Erdöl – es wird gekämpft ums letzte Erdöl,
und wird verhindert, dass vermehrt schnell
Zukunftsenergien bereitstehen.
Sonne, Wind und Wasser und Biomasse: Ja!
Zukunftsenergien sind für alle da,
für alle da!

REF:
Let the Sunshine in…
Lasst die Sonnenkraft herein!‘


Autor des Abschnitts „Songs (Made in Austria)“

Peter Czermak, Musiker, Liedermacher und Klimaaktivist, www.lebenselixier-musik.at
Bei Anregungen für zusätzliche Klimasongs aus Österreich: peter.czermak(at)lebenselixier-musik.at


Quellen des Abschnitts „Songs (Made in Austria)“